Für die einen sind es „Restrukturierungserfolge“, für die anderen Stress pur, ausgefallene Bahnen und lange Wartezeiten. Die KVB begründeten den gehäuften Ausfall von Bahnen am Wochenende 17./18. Oktober mit „Wagenschäden“. Peinlich genug. Doch kurz danach sickerte der wahre Grund für die Ausfälle durch: Die KVB haben nicht genug Fahrpersonal, um einen etwas über dem Durchschnitt liegenden Krankenstand in Spitzenzeiten aufzufangen.
Das ist offensichtlich nichts Besonderes. Schon im September wurde der Fahrplan nach Recherchen des „Stadtanzeigers“ nur aufrecht erhalten, in dem Reserven und Fahrer, die eigentlich frei hatten, herangezogen wurden.
Viele Neueingestellte geben nach kurzer Zeit wieder auf, so der „Stadtanzeiger“. Die Bezahlung sie zu schlecht, die Arbeitszeiten durch gesplittete Dienste und lange Anreisen zu belastend.
Der Personalmangel ist nicht wie eine Naturgewalt über die KVB hereingebrochen. Er ist das Ergebnis eines sogenannten „Restrukturierungsprozesses“ der Verkehrsbetriebe. Er ist vom KVB-Vorstand, der Stadtspitze und den etablierten Parteien im Rat gewollt und wird weiter voran getrieben.
Das Wirtschaftsprüfungs-Unternehmen KMPG legt dem Rat jedes Jahr einen Restrukturierungsbericht vor, der die Spar- und Kürzungsmaßnahmen bei den KVB auflistet. Von den hohen Vorstandsbezügen und den großzügigen Pensionsregelungen für die KVB-Chefs ist darin nichts zu finden, auch nicht von den grotesken Fehlern beim Bau der Nord-Süd-U-Bahn.
Die KVB-Chefs können sich lediglich zwei Arten von Einsparungen vorstellen: a) Stellenabbau, b) Kürzung der Lohnsumme. Dabei machen sie jährlich „Fortschritte“. 2008 wurden laut 29 Stellen abgebaut. Als „wesentliche Restrukturierungsmaßnahme 2008“ werden „weitere Produktivitätssteigerungen sowie weitere Senkung des Personalbestandes im Bereich Werkstätten Stadtbahn“ angeführt.
Verglichen mit dem Stand von 2002 sollten die KVB Ende 2009 27,6 Millionen Euro jährlich einsparen. Dies werden sie laut KPMG auch schaffen.
Allein 8,5 Millionen Euro jährlich bringt bisher die 2004 erfolgte Einführung des Spartentarifvertrages Nahverkehr (TV-N). Die KVB beziffern die Produktivitätsgewinne „auf Grund einer Verlängerung von Arbeitszeiten durch Wegfall freier Tage“ auf 4,3 Millionen Euro.
Der TV-N ist ein Absenkungstarifvertrag, der Neueingestellte benachteiligt. Die Beschäftigten verdienen bei längerer Arbeitszeit weniger, Frust und Stress sind vorprogrammiert. „Die direkten entgeltlichen Einsparungen stiegen in 2008 um 2,3 Millionen € auf 4,2 Mio. €“ heißt es in dem Bericht.
Die kühle und sachliche Sprache des Berichts kann nicht verbergen, dass die Einsparungen der KVB einzig und allein auf den Knochen und zu finanziellen Lasten der Beschäftigten ausgetragen werden.
Überraschend ist nicht, dass es in einer zu dünn besetzten, wegen niedrigem Lohnniveau frustrierten und durch miese Arbeitszeiten, Wegfall von Pausenzeiten und erhöhten Arbeitsdruck gestressten Belegschschaft zu Ausfällen kommt. Überraschend ist, dass dies erst jetzt der Fall ist, nach Jahren von Druck und Anspannung.
Wir haben uns als LINKE. im Rat als einzige kritisch zum „Restrukturierungsbericht“ geäußert. Nötig ist keine Kehrtwende: die KVB brauchen mehr Personal zu besseren Bedingungen. Die durch den TV-N eingeführten Verschlechterungen müssen wieder abgeschafft, alle Beschäftigten in den gleichen Tarif eingruppiert werden. Die Pausenzeiten an den Wendehaltestellen müssen in vollem Umfang wieder eingeführt, gesplittete Dienst abgeschaft werden.
Öffentlicher Nahverkehr kann nicht kostendeckend betrieben werden. Er ist eine wichtige Dienstleistung, damit eine Großstadt überhaupt funktioniert. Der oberirdische ÖPNV muss ausgebaut, die Taktzeiten verbessert werden. Das geht nur mit mehr Personal und mehr Geld. Die Tarife dürfen nicht mehr steigen, sondern müssen gesenkt werden – bis hin zum Nulltarif.
Artikel im Kölner Stadtanzeiger
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