31.07.2009 | Druckversion

Kötter Security am Köln-Bonner Flughafen: Lohndumping extrem

Bei den Zugangskontrollen zum Sicherheitsbereich Flughafen vor allem am Tor A setzt die Firma Kötter Airport Security GmbH seit Anfang 2009 verstärkt Praktikantinnen und Praktikanten ein. Im Gegenzug wurden die befristeten Arbeitsverträge mehrerer Kötter-Beschäftigter nicht verlängert.

Niederlassungsleiter Kramer bestreitet das. Doch die Zahlen sind eindeutig: im gesamten Jahr 2008 wurden rund 60 Praktikanten eingesetzt, bis Ende Juni 2009 waren es schon fast 50, jeden Monat kommen bis zu 13 Praktikanten. 2008 wurden rund 25% nach dem 1monatigen Praktikum NICHT in ein Arbeitsverhältnis übernommen, 2009 hingegen über 50%.

Rund 50% der seit dem 1.1.2008 bei Kötter Eingestellten sind inzwischen gekündigt worden bzw. sind zur Kündigung oder zur Nicht-Verlängerung des Vertrages vorgesehen.

Immer mehr Arbeit wird somit von 1-Monats-Praktikanten erledigt. Diese kann Kötter Airport Security kostenlos nutzen: das Praktikum wird ebenso wie die vorherige 3monatige Ausbildung zum LSKK (Luftsicherheitskontrollkraft) wird von den Agenturen für Arbeit bzw. den ARGEn mit Steuergeldern bezahlt.

Nach Informationen vom Airport hat die Köln-Bonner Flughafen GmbH bei einer Ausschreibung der Zugangskontrollen den Druck auf die Sicherheitsfirmen erhöht. Es wird vermutet, dass Kötter mit den Preisen runtergegangen ist, um den Auftrag zu bekommen. Auf die Gewinne will das Unternehmen jecoch wohl nicht verzichten.

Gleichzeitig mit dem verstärkten Praktikanten-Einsatz wurde die Besatzung der Kontrollcontainer von 3 auf 2 Beschäftigte reduziert und damit der Arbeitsdruck massiv verschärft. Die eigene Sicherung ist kaum möglich, von Toilettengängen ganz zu schweigen.

Bei knapp über 8 Euro Stundenlohn brutto reicht eine normale 40-Stunden-Woche für viele nicht aus, um über die Runden zu kommen. Die Kötter-Beschäftigten arbeiten in 12-Stunden-Schichten, viele von ihnen kommen auf 240 Stunden im Monat oder sogar mehr.

Linke machen Chefs nervös

Die Beschäftigten fühlten sich eingeschüchtert und nicht in der Lage, im Betrieb gegen das Vorgehen der Niederlassungsleitung zu protestieren. Sie wandten sich an die LINKE. mit der Bitte um Unterstützung.

Eine Anfrage der linken Ratsfraktion und eine kleine Aktion am Flughafen hatten eine Wirkung wie ein Stich ins Wespennest.

Die Flugblattverteiler an Tor A wurden von einer ganzen Delegation aufgesucht, darunter Pressesprecher, Personal- und Sicherheitschef des Flughafens. Diese wirkten nervös, bemühten sich aber, ausgesucht besorgt und höflich zu wirken. Übergeordnete Vertreter von Kötter, Leute der Flughafen GmbH und der mit Flughafen- und Luftsicherheit betrauten Behörden scheinen sich bei Kötter die Klinke in die Hand zu geben.

Die Kolleginnen und Kollegen am Tor A reagierten sehr positiv auf die Flugblatt-Aktion. Ein Kollege meinte: „jetzt habt ihr Linken 120 Wähler mehr“.

Seit der Aktion haben Unbekannte ein weiteres Flugblatt veröffentlicht, in dem der Flughafen-Chef Garwens beschuldigt wird, für die Situation bei Kötter mit verantwortlich zu sein. Auch sind weitere anonyme Schreiben mit Vorwürfen in diese Richtung aufgetaucht. „Sonnenkönig“ Garvens, so ein am Flughafen verwendeter Spitzname, wird beschuldigt, seine Chef-Position auszunutzen und sich auch bei Auslandsflügen keiner Pass- und Gepäckkontrolle zu unterziehen und so das Kontrollpersonal in eine Zwickmühle zu bringen. Das Personal traut sich nicht, etwas gegen den Willen des Chefs zu machen.

Der nächste Versuch bei Kötter Airport Security einen Betriebsrat zu gründen, ist schon gestartet worden. Letztendlich müssen die Beschäftigten ihren Kampf mit den Bossen selbst ausfechten, aber manchmal ist kann eine Unterstützung von außen, wie in diesem Fall von Aktivisten der Linken und der Kölner Erwerbslosen in Aktion – KEAs, helfen, die Selbstorganisierung voranzutreiben.

Betrug am Steuerzahler und den Sozialkassen?

Die Praktikanten durchlaufen zuvor eine 3monatige Ausbildung als Flughafen-Kontrolleure. In Stellenausschreibungen z.B. der Agentur für Arbeit in Bornheim ist nicht die Rede von einem Praktikum mit unsicherem Ausgang. Dort wird zunächst eine auf 12 Monate befristete Stelle angeboten, die sich „… im Allgemeinen … verlängert …“.

In einer Antwort auf die Anfrage der linken Ratsfraktion antworteten Verwaltung und ARGE in Köln, die Ausbildungsmaßnahmen würden nur gefördert, „… wenn sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nach der Förderung eine Arbeitsaufnahme anschließt“. Unter 50% ist allerdings weit entfernt von „an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“. Auch von einem von der ARGE vermuteten „konjunkturell bedingten Rückgang“ ist bei Kötter nicht zu spüren. Der Rhythmus, in dem frisch ausgebildete Kontrolleure ihren Monat Umsonst-Arbeit am Tor A und anderen Einsatzorten ableisten dürfen, ist stattdessen schneller worden.

Nur die halbe Wahrheit von Verwaltung und ARGE

Kölner Stadtverwaltung und ARGE scheinen an einer Aufklärung nicht interessiert zu sein. Die Anfrage der linken Ratsfraktion wurde zum Teil nur ungenügend beantwortet, manche Fragen wurden ignoriert oder – vielleicht nicht ganz zufällig – falsch verstanden.

Die ARGE hat bis heute nicht mitgeteilt, wie sie den Erfolg ihrer Maßnahmen kontrolliert und checkt. Es gibt keine Antwort darauf, welches Unternehmen aktuell mit der LuSi-Ausbildung beauftragt ist.

In ihrer Antwort behaupten ARGE und Verwaltung, „… Qualifizierungen (würden) nur dann durchgeführt, wenn nicht ausreichend qualifizierte Kunden … zur Verfügung stehen …“.

Doch allein Kötter am Flughafen hat seit Anfang 2008 rund 40 Praktikanten übernommen und mehrere Dutzend Beschäftigte „freigesetzt“. Es gibt demnach genug qualifizierte Kontrolleure. Trotzdem wird weiter ausgebildet. Wer hat ein Interesse daran? Was weiß die ARGE über das Schicksal all der qualifizierten Leute, die nie oder nur kurzfristig eine Beschäftigung bekommen?

Die Arbeitsverwaltung bezahlt die Ausbildung und das Praktikum. Die Ausbildung wurde unter anderem angeboten von der Kötter Akademie und kostete dort 2.808 Euro. Kötter würde somit an der Ausbildung selbst verdienen und durch den Praktikanten-Einsatz Vollzeitkräfte einsparen. Lohndumping, Hire-and-Fire und Arbeitsverdichtung bei Kötter Airport Services gingen somit auf Kosten der Kollegen, deren Arbeitsplätze zerstört werden. Sie gingen auf Kosten der Sozialkassen, weil die Maßnahmen so finanziert werden. Sie gingen auf Kosten der Gesundheit und der Sicherheit der Beschäftigten.

Die LINKE. wird weiter die Beschäftigten dabei unterstützen, einen Betriebsrat zu gründen und sich gewerkschaftlich zu organisieren, um die innerbetriebliche Gegenwehr zu stärken. Wir werden im Rat weiter bohren, um die Rolle der ARGE und der Verwaltung aufzukkären. Eine zweite Anfrage ist in Vorbereitung.